Berufswahl - Was tun nach der 9. Klasse?!

Artikel #36

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von KONTEXT

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Ausbildung

"Und was jetzt?" Diese Frage stellen wir uns alle einmal. Eine grosse Entscheidung steht uns nach der 9. Klasse bevor. Zu dieser Zeit wissen aber viele Jugendliche noch überhaupt nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Wir haben mit dem Berufs- und Laufbahnberater Patrik Zahno vom BIZ Bern (Berufsberatungs- und Informationszentrum) über die Berufswahl und die Möglichkeiten in der Schweiz gesprochen.

 

Die Berufslehre 

Eine Möglichkeit, die man direkt nach der 9. Klasse in Angriff nehmen kann und wir bestimmt alle kennen ist die Berufslehre, welche teils aus Arbeiten und teils aus der Berufsschule besteht.

 

Wie findet man heraus, welcher Beruf der Richtige ist?

Zuerst einmal solle man sich genau informieren, meint Patrik Zahno. Die Anforderungen sind je nach Lehrstelle verschieden: Bei manchen steht z.B. der Kontakt mit Menschen im Vordergrund, bei anderen das logische Denken oder Handfertigkeiten. In einem zweiten Schritt solltest du unbedingt schnuppern gehen, bestenfalls zwei bis vier Tage lang und an verschiedenen Orten. Der Berufsberater empfiehlt gezieltes Schnuppern (Berufe, die einen wirklich interessieren), da es für dich wie auch für den Betrieb viel Zeit und Mühe kostet.

 

EFZ oder EBA?

Es gibt EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis) und auch EBA (Eidgenössisches Berufs-Attest). Die Berufslehren in EFZ dauern normalerweise drei oder vier Jahre. Hingegen dauert die EBA-Lehre nur zwei Jahre. Diese ist für solche gedacht, die aus irgendeinem Grund mehr Zeit brauchen, um etwas schulisch oder praktisch zu lernen. Denn in den zwei Jahren EBA nimmt man eigentlich den Stoff des ersten EFZ Lehrjahres über zwei Jahre verteilt durch. Mit einem EBA-Lehrabschluss gehen aber 80 % direkt arbeiten, obwohl man dabei eher einfachere Arbeiten bekommt. Die anderen 20 % steigen dann ins zweite Lehrjahr vom EFZ ein. Danach geht die Lehre noch zwei oder drei Jahre weiter bis zum Abschluss. 

 

Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Berufslehre

In der Schweiz gibt es verschiedenste Weiterbildungsmöglichkeiten. Diese würden ganz vom Beruf abhängen, meint Herr Zahno. Nach der Lehre kann man direkt auf dem Beruf weiterarbeiten und parallel dazu Kurse besuchen, um an weitere Abschlüsse (z.B. der eidg. Fachausweis) zu gelangen. Nach zwei bis drei Jahren Arbeit in der neuen Funktion und mit weiteren Kursen kann man sich auf ein eidg. Diplom vorbereiten.

Die Berufsmaturität ist eine sehr beliebte Weiterbildungsmöglichkeit. Wenn man sie während der Lehre macht, geht man etwas mehr in die Schule. Dies ist aber auch stressig, da du für die Berufsmaturität sehr viel lernen musst. Deshalb machen andere ihre Berufslehre zuerst fertig und hängen dann noch ein Jahr Berufsmaturität an. Wer die Berufsmaturität in der Tasche hat, darf an einer Fachhochschule studieren. Falls einem das aber auch noch nicht reicht, gibt es die Passerelle, nach der einem der Zugang zu der Universität geöffnet wird. Bei der Passerelle geht man 50 % zur Schule und nimmt dazu im Selbststudium in einem Jahr extrem viel neues Wissen in allen Fächern auf.

 

Die gefragtesten Lehrstellen momentan:

An erster Stelle steht der Beruf Kaufmann/frau EFZ. Gleich danach kommen Fachmann/frau Gesundheit EFZ, Detailhandelsfachmann/frau EFZ und Fachmann/frau Betreuung EFZ.  Auch beliebt ist der Beruf Informatiker/in EFZ. Wenn du mehr über diese Berufe erfahren möchtest, kannst du gerne die Webseite www.berufsberatung.ch besuchen, wo diese genauer unter die Lupe genommen werden.

 

Brückenangebote

Für Brückenangebote ist man natürlich dankbar, wenn man noch nicht wirklich eine Ahnung hat, was man später werden will…

 

Welche Brückenangebote gibt es überhaupt?

Laut Patrik Zahno sei da die Frage, ob man nach öffentlichen oder privaten Angeboten suche. Es gibt nämlich viele Brückenangebote, doch häufig kosten sie zwischen 10 000 und 15 000 Franken im Jahr, was sich nicht jeder leisten kann. Natürlich gibt es aber auch öffentliche Angebote, also solche, bei denen es weniger Kosten gibt, wie z.B. das 10. Schuljahr oder Au-Pair-Jahre.

 

Das 10. Schuljahr an der BFF

Das 10. Schuljahr ist vor allem für Jugendliche der Realschule gedacht, die etwas mehr Zeit brauchen, Stoff nachholen müssen oder für einen bestimmten Beruf noch mehr Stoff brauchen. In diesem Jahr haben sie hierfür Zeit.

 

Das Au-Pair-Jahr

Bei einem Au-Pair-Jahr geht man an einen gewünschten Ort, lebt dort bei einer Familie, wohnt und isst mit ihnen und erledigt Arbeiten (vor allem Kinderbetreuung und Hilfe im Haushalt). Viele stellen sich dies toll vor: Man ist mal weg von zu Hause, lernt eine neue Sprache und verdient dabei sogar noch ein bisschen Geld. Wenn man ein Au-Pair-Jahr mache, solle man aber die Lehrstellensuche oder die sonstige berufliche Entwicklung nicht ausser Acht lassen, warnt Patrik Zahno. Nach dem Au-Pair-Jahr habe man sonst nämlich nichts.

Ein Au-Pair-Jahr ist auf der ganzen Welt möglich. Wenn du jedoch direkt nach der 9. Klasse gehen möchtest, ist es nicht sinnvoll, ins Ausland zu gehen, wo du keine Lehrstellen oder anderes suchen kannst. Eigentlich müsse man dafür volljährig sein, meint Patrik Zahno. Dies habe mit Versicherungen zu tun. In der Schweiz gibt es aber auch viele tolle Orte, zu denen du direkt nach der Schule gehen kannst. Der Berufsberater empfiehlt die Vermittlungsstelle www.au-pair.ch. Die Betreiber kennen die Familien, die sie anbieten, und stellen dir auch die Adresse zur Verfügung, damit du ein Wochenende bei der Familie schnuppern gehen kannst. So findest du sicher eine passende Familie.

 

Weiterführende Schulen

 

Das Gymnasium

Ins Gymnasium kann man entweder nach der 8. Klasse oder nach der 9. Klasse einsteigen. Es ist für Schüler und Schülerinnen gedacht, die gerne zur Schule gehen, sich für vieles interessieren und wissbegierig sind. Denn in den vier Jahren Gymnasium baut man noch sehr viel zusätzliches Grundwissen auf. Mit der gymnasialen Maturität kannst du direkt an Fachhochschulen und Universitäten studieren gehen, und sie bietet dir sehr viele Möglichkeiten. Wer ins Gymnasium (öffentlich) möchte, muss entweder die Empfehlung der Lehrer bekommen oder die Prüfung bestehen.

 

Im Gymnasium gibt es Schwerpunktfächer und du kannst deines selber wählen. Patrik Zahno meint jedoch, es spiele gar nicht so eine grosse Rolle, welches man wähle. Denn auf das spätere Studium nähme dies keinen grossen Einfluss. Wichtig sei, dass man dabei motiviert sei und Spass habe. Man könne sich jedoch schon überlegen, ein Fach zu wählen, das zum späteren Vorhaben passe.

 

Die Fachmittelschule (FMS)

In die Fachmittelschule geht man nach der 9. Klasse. Dort bekommt man mehr Allgemeinwissen über eine bestimmte Berufsrichtung. Es wird dort vor allem auf Gesundheits- und soziale Berufe vorbereitet. Nach der FMS bekommt man einen Fachmittelschulausweis und – wenn man noch ein Praktikumsjahr anhängt und die Maturitätsarbeit schreibt – die Fachmaturität. Mit der Fachmaturität hat man Zugang zu den Fachhochschulen, und wenn man noch die Passerelle macht, auch Zugang zu den Universitäten. 

 

Die Wirtschaftsmittelschule (WMS) und die Informatikmittelschule (IMS)

Die WMS und die IMS bestehen aus drei Jahren Schule und aus einem Jahr Praktikum. Nach diesen vier Jahren hast du einen Berufslehrabschluss (EFZ) und auch die Berufsmaturität, die dir die Türen zu den Fachhochschulen öffnet. Mit der WMS schliesst du mit der Berufslehre Kaufmann/frau EFZ und mit der IMS mit Informatiker/in ab. 

 

Kunst und Sport

Es gibt Jugendliche, die den Willen und das Talent haben, eine künstlerische oder sportliche Karriere zu starten. Für solche Jugendliche gibt es Schulangebote, z.B. die Talentförderung im Gymnasium. Ein gutes Beispiel ist das Sportgymnasium. Wenn man dieses macht, geht die gymnasiale Ausbildung ein Jahr länger (5 Jahre), dafür erhält man Zeit fürs Üben und Trainieren, der Unterricht darf also früher verlassen werden.

 

Dasselbe bieten auch manche Lehrbetriebe an. Der Chef dort ist meistens ein Sportfan und findet es darum interessant, einen solchen Lehrling zu haben. Auch hier wird abgesprochen, wann der Lehrling zum Training gehen darf und die Lehre dauert ebenso ein Jahr länger. Damit Jugendliche gezielt nach solchen Lehrbetrieben suchen können, bekommen Lehrbetriebe manchmal sogar das Label «Leistungssportlerfreundlicher Lehrbetrieb».

 

Wie du siehst, gibt es in der Berufswelt sehr viele Wege und Möglichkeiten! Selbst wenn du erst durch viele Umwege an dein Ziel gelangst, ist das nicht schlimm. Denn diese Umwege geben dir viel Lebenserfahrung. Wichtig ist, dass du dir Mühe gibst, denn von alleine passiert schliesslich nichts.

 

Diese drei Internetseiten zur Berufswahl empfiehlt dir Berufsberater Patrik Zahno:

www.berufsberatung.ch

www.erz.be.ch

www.lehrstellennetz.ch